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US-Markt - Nachrichten

16.08.2010 - 18:45

Ist Investorenflucht aus Aktien und Anleiheboom gerechtfertigt?



New York (BoerseGo.de) - Durch den Umstand, dass Investoren mehr Geld als jemals zuvor von Aktien in Anleihen umschichten weitet sich eine bereits bestehende Bewertungsdifferenz zwischen beiden Anlageklassen ständig aus. Auf diese Entwicklung machen gemäß einem Bericht von Bloomberg Strategen von JPMorgan Chase & Co. und BlackRock aufmerksam. Nach deren Ansicht ist daher die Zeit gekommen, um Aktien zu kaufen. Im bisherigen Jahresverlauf sind aus amerikanischen Aktienfonds rund 33 Milliarden Dollar abgeflossen. Damit hätten die amerikanischen Unternehmen außerhalb des Bankensektors trotz der konjunkturellen Erholung und damit verbundener Cash Flow-Zuwächse 6,8 Prozent ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Verglichen mit den Erträgen der Unternehmen entspricht dies unter Berufung auf Daten von der Credit Suisse Group dem höchsten Maß an Abflüssen seit 1960. Dagegen ist von Januar bis Ende Juli in Anleihefonds ein Rekordbetrag von rund 185 Milliarden Dollar geflossen.

Nach Ansicht des mit der Verwaltung von 445 Milliarden Dollar betrauten JPMorgan-Chefmarktstrategen David Kelly lassen die Rekordtiefstände der Renditen darauf schließen, dass die Nachfrage nach Anleihen als zu hoch zu werten ist. Daraus seien keine tatsächlichen Anzeichen abzuleiten, dass die Wirtschaft auf eine in drei Jahren einsetzende zweite Rezession entgegen steuert. Die Leute würden für Anleihen im Vergleich zu Aktien Überpreise zahlen. Darin spiegle sich eine außerordentliche Voreingenommenheit. Falls die Leute einmal in eine emotionale Extremsituation abdriften könne der Punkt für eine Wende und Neuverteilung mit einer Abkehr von Anleihen und Hinwendung zu Aktien erfolgen.

Der Chef des weltgrößten Anleihe-Investmentfonds Pacific Investment Management Co. (Pimco) Mohamed El-Erian begründet die Bewertungslücke zwischen Anleihen und Aktien mit der gewachsenen Sorge von Investoren vor Deflation. Ein kleiner Anstieg der Wahrscheinlichkeit für Deflation könne auf die Märkte einen wesentlichen Einfluss ausüben, obwohl die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario insgesamt niedrig bleibt. Je mehr die Befürchtung vor Deflation einsetzt, desto stärker steige die Verwundbarkeit für niedrig kapitalisierte Unternehmen und Volkswirtschaften. Der Risikoaufschlag in den Märkten könne bis in den unangemessenen Bereich gehen, heißt es weiter von El-Erian.
 

(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Huber Christoph, Redakteur)

 
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