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Moneywolf
07.06.2006, 09:54
...wenn Sie davon erfahren !

Wer dauerhaft an den Finanzmärkten überleben will, der muß sich von der Masse lösen und eigene, meist unpopuläre Wege gehen.
Viele verfolgen das leider nicht bewusst und machen sich keine Gedanken über das eigene Handeln.
Dabei bringt eine ehrliche Analyse der eigenen Fehler unheimlich viel.
Es ist heute, in einer Welt, in der durch die massive Medienpräsenz eine Meldung von einem Ende der Welt bis zum anderen Ende nur Bruchteile von Sekunden benötigt, umso wichtiger sich nicht von Massenmeinungen leiten zu lassen.

Sitzen Sie gerne im Biergarten, schauen sich um und stellen mit Stolz fest, dass mindestens 10 andere Leute das gleiche Outfit tragen, wie Sie?
Oder muss es zwar kein teurer Lagerfeld-Fummel sein, doch sollte zumindest ihre eigene, ganz persönliche Note haben?
Wenn letzteres zutrifft, warum geben Sie sich bei Ihren Börsengeschäften mit Massenware zufrieden?

Wenn Sie einen guten Freund haben und dieser erzählt Ihnen bei einer Feier, dass seine Firma im darauffolgenden Monat das Unternehmen XY zu einem Kurs, der 50% über dem aktuellen Kurs liegt übernehmen wird, was machen Sie dann zuerst?
Natürlich fragen Sie nach und prüfen, ob diese Info zuverlässig ist
Doch was machen Sie dann?
Rufen Sie nun erst einmal Verwandte, Kollegen, Freunde und Freundesfreunde an und erzählen diesen Leuten von der tollen Neuigkeit?
Also ich persönlich würde zu allererst für mich eine Position kaufen und erst dann diese wertvolle Information weitergeben, wenn ich selbst auch positioniert bin.

Nun kommen natürlich wieder die Börsenethiker auf den Plan und sagen "typisch, dem gehts nur ums Geld".
Glückwunsch- Sie haben es erkannt- an der Börse geht es in der Tat nur um Geld und Profit.
Alles andere ist Firlefanz und hat hier nichts verloren.

Was ich mit dieser philosophischen Ausschweifung andeuten will ist folgendes:
Es gibt an den Märkten immer Leute, die besser informiert sind, als Sie und ich es sind.
Der Juwelier nebenan wird sicher mehr Ahnung von Gold haben, als ich oder Sie.
Der Chef des Autohauses um die Ecke hat mit Sicherheit mehr Kenntnis darüber ob ein Auto gut ist oder nicht.
Es gibt überall besser informierte Leute.
Uns muß klar sein, dass die Infos, die in den Nachrichten kommen und dann durch die Börsenforen geistern vor uns schon von vielen Leuten erkannt und wahrscheinlich gehandelt wurden.

Wenn Sie sich diesen eigentlich logischen Umstand bewusst machen, haben Sie einen ganz großen Schritt in die richtige Richtung getan.
Nun vergleichen Sie einfach einmal die Aussagen Ihrer "schlechten Informanten" mit den realen Verläufen.
2003 hieß es, dass dauerhafte Ölpreise über 30$ den Aktienmarkt weiter unter Druck setzen würden.
Das war so ziemlich der größte Unsinn, der bis dahin verzapft wurde, doch Monate, teils Jahre haben viele Privatanleger ihr Handeln danach ausgerichtet und schüttelten mit jedem Prozent, das der Dax zulegte ungläubig mit dem Kopf.
In diesen Tagen hört man z.B. immer wieder Fondsmanager und Vermögensverwalter, die keinen fundamentalen Grund für den Crash am Aktienmarkt sehen und blindlinks weiter kaufen.
85% dieser Leute schafft es nicht dauerhaft den Dow Jones zu schlagen!

Das Research ist leider oftmals viel zu schlecht und rein fundamental ausgerichtet.
Fundamentalanalyse ist nichts schlechtes. Als grobe Orientierung ist dieser Ansatz sehr sinnvoll, jedoch ist dies kein Timing-Instrument und es ist eben darum nicht verläßlich, weil die meisten Kennziffern, wie KGV, KUV etc. auf menschlichen Schätzungen basieren und Menschen sind emotionale Trendfolger, wie wir tagtäglich sehen.
Was ich mit emotionalen Trendfolgern meine, möchte ich Ihnen an einem einfachen Beispiel erläutern.
Sie sehen einen Markt, der z.B. stark gefallen ist.
Sie halten den Markt meinetwegen für günstig und entschliessen sich nach einigem hin und her, zum Kauf.
Kaum ist die Longposition im Depot und sie in dem eben noch aussichtsreichen Markt investiert, geht das große Zweifeln los.
Jeder Tick nach oben könnte das Hoch gewesen sein, jeder Tick nach unten lässt die Zweifel an der Entscheidung wachsen.

Bei nicht absolut professionell handelnden Leuten, wird es meist so laufen, dass der Markt noch ein Stück gegen Sie läuft und Sie dann, obwohl vorher felsenfest von der Richtigkeit überzeugt, entnervt verkaufen und der Markt genau dann beginnt zu drehen.
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die solche Verlaufsmuster analysiert haben.
Unser größter Gegner ist also die Psyche.
Das funktioniert übrigens auch besonders gut in die andere Richtung.

Wir sind grundsätzlich getrieben von den Emotionen Gier und Angst.
Die Angst war es, die uns eben am Tief aus der Position getrieben hat und die Gier ist es, die uns teuer in Märkte einsteigen läßt.
Sie können sich das vorstellen, wie das Spielen mit einem Kätzchen.
Wenn Sie eine Schnur vor den Augen der Katze entlang ziehen, wird dies die Aufmerksamkeit des Tieres erregen.
Zunächst wird die Katze dem Verlauf der Schnur folgen.
Forcieren Sie nun den Lauf der Schnur, so wird die Katze auch schneller und wenn Sie ein oder zwei Mal etwas heftiger die Schnur weg von der Katze ziehen, wird diese einen entschlossenen Sprung machen und sich die Schnur schnappen.

Wer sich jetzt denkt "ist der Wolfram komplett bescheuert"- das steht hier nicht zur Debatte- lesen Sie weiter- wir kommen nun zum eigentlichen Sinn dieses Beispiels;).

Die Katze verhält sich mit der Schnur, wie wir Anleger am Finanzmarkt.
Wir beobachten einen Markt, entwickeln Interesse, stellen fest, dass er ohne uns scheinbar gut läuft und schlagen mit einer unglaublichen Zuverlässigkeit genau am Zwischenhoch richtig zu.

Wenn Sie das nicht glauben, dann werfen Sie bitte einen Blick auf diue nachfolgende Graphik, die den COT-Report zeigt.

Rot sind im Chart die Commercials, blau die Fonds & Institutionellen und schwarz sind die Privatanleger/kleine Spekulanten zu sehen.
http://www.trend-trading-system.de/imgcm/cot-demo.jpg
Im Chart sehen Sie, dass sich Fonds und Privatanleger in etwa gleich verhalten.
Beide agieren trendfolgend, was bedeutet, dass sie Ihre Netto-Positionen mit steigenden Kursen ausbauen und somit an den relativen Hochs immer am höchsten investiert sind und an den relativen Tiefs immer am niedrigsten.
Nicht so die Commercials. Diese smarte Gruppe agiert eben genau umgekehrt. Hier ist man dann massiv Netto-Long, wenn ein Markt niedrig notiert und baut in steigende Kurse die Netto-Longs bereits ab, um an den vermeintlichen Hochs eine sehr niedrige oder wie hier zu sehen, gar eine hohe Shortquote zu halten.

Sie sehen, dass Fonds und Private beim Rallyestart 1994 eine deutliche Shortquote aufwiesen, während die Commercials massiv long im S&P500 waren.

Achten Sie nur auf die blaue Linie.
Während der gesamten Haussebewegung waren Fonds und Co Netto-Short.
Erst beim absoluten Topping im Jahr 2000 waren diese "Schlaumeier" Netto-Long.

Das Spiel läuft hier immer gleich und Sie sollten daraus eine wichtige Lehre ziehen: Wenn die ganzen Fonds-Manager bullishe Kommentare ablassen und es keine Skeptiker gibt, ist der Markt massiv Absturzgefährdet.
Wir sehen ein entsprechendes Bild beim Euro.
Ich hatte den Chart meinen Kunden im Livetrader zur Verfügung gestellt.
Während hier die Kolumnenschreiber und auch nahezu alle Fondsmanager, die ich zuletzt bei Bloomberg im Interview sah, einhellig einen Euro über 1,30 €/$ sahen, haben die Commercials die höchste Shortquote seit Jahren aufgebaut und dies drückt hier auf die Kurse.
Da der USD auch im Pair-Vergleich mit anderen Assets, wie z.B. Gold klar unterbewertet war, liegt die populäre Massenmeinung auch hier gravierend falsch.

Wenn der Euro sogar die 1,269 brechen würde, wäre ein Doppeltopp aktiviert, dessen Ziel bei 1,2405 €/$ läge und damit wäre die Masse einmal mehr extrem falsch gelegen.

Bei den von mir betreuten Produkten handele ich gezielt unabhängig und meist konträr zur Masse.
Man hat dann zwar zunächst wenige Schulterklopfer, doch wie wir weiter oben schon bemerkten- es geht an der Börse um Geld und nichts anderes.

Viel Erfolg und gute Trades wünscht



René Wolfram

www.hedge-trade.de
Research +++ Analyse +++ Trading (http://www.hedge-trade.de)



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