Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Am Dollar hängt es


Klaus Singer
23.06.2006, 16:33
Am Dollar hängt’s

Die Aktienmärkte suchen weiter nach Richtung oder Boden oder beidem. Gestern fiel der S&P 500 wieder zurück, ging intraday die wichtige Verbindungslinie der Tiefs aus August 2004 und April 2005 an und schloss direkt über der 62er Retracement des Bärenmarkteinbruchs zwischen 2000 und Herbst 2002. Er hatte damit zwar wichtige Marken gehalten, die Tatsache jedoch, dass er in den vergangenen Tagen diese immer wieder aufsucht, lässt sich auch als Schwäche ansehen.

Der Index verweilt nach wie unter seiner EMA200, wobei seine EMA50 noch oberhalb davon liegt. Prekärer sieht es im NDX aus, hier notiert der Index unter beiden Linien, noch dazu ist die EMA50 mittlerweile unter die EMA200 gefallen. Mit einer Differenz von über 20 Punkten muss das mittlerweile auch als signifikant eingestuft werden und ist zumindest als ernste Warnung vor einem Bärenmarkt bei der Technologie zu verstehen.

<b> Die jüngsten Makrodaten bestätigten eher die Konjunkturpessimisten</b>. Die „leading economic indicators“ des Conference Board fielen im Mai um 0,6 Prozent, das voraussichtliche Wachstum wird als „slow to moderate“ charakterisiert. Volkswirte hatten minus 0,4 Prozent erwartet. In den zurückliegenden sechs Monaten ist der Index um insgesamt 0,2 Prozent gesunken, womit sich hier der Abwärtstrend zu beschleunigen scheint.

Die Ansätze des die Marktbreite messenden <b> TRIN</b> zu einer bullischen Wende sind aktuell überzeugender als beim Versuch zur Monatswende. Die Auswertung der Umsatzverteilung zeigt Akkumulation, das Bild entspricht recht gut dem von Anfang November 2005, als auf die Korrektur im Oktober eine ordentliche, bis Anfang Dezember dauernde Rallye folgte.

Bei der <b> Positionierung in Indexderivaten</b> zeigten die Bären gestern das erste Mal seit längerem Schwäche. Das Volumen der gehandelten Indexderivate ging deutlich zurück; das PCR stieg zwar leicht, aber zusammen mit dem sinkenden Volumen ergibt das hinsichtlich der bärischen Indexpositionierung einen ausgesprochen weichen Eindruck, noch dazu vor dem Hintergrund der gestrigen mauen Konjunkturmeldungen und den daraufhin nachgebenden Kursen.

Der viel beachtete <b> Quotient aus S&P500 und VIX</b> sieht zum ersten Mal seit 11. Mai konstruktiv im Sinne der Bullen aus: Die Signallinie ist geschnitten, der Verlauf dieses Indikators zeigt nach oben.

Das Gerüst der von mir verfolgten Indikatoren <b> baut damit seine bullischen Ansätze aus</b> – so viel lässt sich aktuell sagen. In der vergangenen Woche hieß es an gleicher Stelle noch: „Keiner der betrachteten Indikatoren (zeigt) aktuell ein belastbares Wendezeichen“.

Die Stimmen, die davor warnen, den <b> Zinsbogen zu überspannen</b>, melden sich vor der FOMC-Sitzung in der kommenden Woche wieder lauter zu Wort. So wird argumentiert, dass sich die Erhöhung der Leitzinsen mit einer Verzögerung von drei bis 18 Monaten auf die Realwirtschaft auswirkt. Daher sei die Gefahr einer Übersteuerung sehr groß und die Fed riskiere mit der Fortsetzung des aufwärts gerichteten Zinszyklus, dass sie die Konjunktur abwürge. Es verwundert nicht, dass diese Kritiker zugleich bezweifeln, dass sich die US-Wirtschaft in einem Stadium einer (sich beschleunigenden) Inflation bewegt. Sie verkennen dabei Preisauftriebstendenzen nicht, erklären aber, dass sich das von selbst erledige, wenn die bisherigen Zinsschritte in der Güterwirtschaft erst alle angekommen sind.

David Rosen von Merrill Lynch weist in Zusammenhang mit seiner Kritik am Fed-Kurs auch auf deren <b> Folgen für den amerikanischen Immobilienmarkt</b> hin. Er sieht hier die Gefahr einer Implosion. Da die Amerikaner bisher aus der Hausspekulation ordentliche Extraprofite zogen und damit ihr Konsumniveau stützen, wären die Folgen einer solchen Entwicklung für die Konjunktur verheerend, zumal die US-Wirtschaft sehr konsumorientiert ist.

<b> In der gegenwärtigen Landschaft der Finanzmärkte passt vieles nicht zusammen</b> . Die Wirtschaft wächst langsamer, aber Staatsanleihen wurden zuletzt stark verkauft. Im Normalfall treibt die Zinsangst die Akteure bei solidem Wachstum und Inflationstendenzen aus langlaufenden Anleihen oder aber man kauft diese in Erwartung einer nachlassenden Konjunkturdynamik. Da man aktuell eher von nachlassendem Wachstum ausgehen muss, wäre aus meiner Sicht die (einzige?) Erklärung für diese „Schizophrenie“ Unsicherheit über die Einschätzung des neuen Fed-Chefs. Der Chefstratege von DrKW bezeichnet denn auch die gegenwärtige TBond-Schwäche als erstklassische Kaufgelegenheit.

Äußerst interessant, auch aktuell wieder den engen <b>Zusammenhang zwischen Dollarwert und Aktienkursentwicklung</b> zu verfolgen. Wieder sieht es so aus, dass Aktien bei vor allem gegen Euro schwächer werdendem Dollar tendenziell nach oben tendieren. Und umgekehrt. So rutschte der Euro heute nach unten durch, woraufhin US-Futures und europäische Aktien sich sofort schwächer zeigten. Die Präferenz der Finanzmärkte liegt eben nach wie vor auf Seiten einer Dollarschwäche. Eng verkoppelt ist damit der Goldpreis, der im Verein mit dem erstarkenden Dollar erneut seine kritische Marke bei 575 testete. Als sich nach Veröffentlichung der Auftragsdaten für langlebige Wirtschaftsgüter der Euro gegen Dollar erholte, stieg auch der Goldpreis sofort mit. Die Daten für Mai untermauern im übrigen das Bild einer nachlassenden Konjunkturdynamik: Die Auftragseingänge sind um 0,3 Prozent gefallen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,4 Prozent

Zu anderen Zeiten (mit Greenspan am Fed-Ruder) wäre wohl der Weg für die Bullen jetzt schon frei. Nach der aktuellen Konjunkturmeldung könnten die Akteure auf die Idee kommen, alles Negative sei fürs erste eingepreist, und sich folglich bullisch aufzustellen. Offenbar ist jedoch die Unsicherheit über den Kurs Notenbank unter ihrem neuen Chef so groß, dass sich keiner traut. Immerhin hat offenbar der Euro gegen Dollar den Punkt seiner größten Schwäche für heute (und womöglich für die nächste Zeit) hinter sich. Auch wenn er nicht gerade nach oben stürmt, so sieht das Bild doch recht konstruktiv aus. Und das sollte auch den Aktienbullen etwas Rückenwind geben.

Marktstatus, Markttrends und Prognosen unter <b><a href=http://www.TimePatternAnalysis.de target=_blank><u>TimePatternAnalysis</U></A></b>.

Kontakt: <b><email>info@timepatternanalysis.de</email></b>



Chart4u: Börsenportal, Börsenforum, Finanznachrichten uvm.
Alle Angaben ohne Gewähr - Copyright © 2005 - 2006 Digital Finance
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt.